Buchempfehlungen 2019 – Umblättern in Umbruchszeiten

Cicero

Wirres Knäuel Naher Osten

Es gibt Sachbücher, bei denen der Autor seine Expertise nurmehr einsetzt, um zu beeindrucken. Sie bringen dem Leser wenig, außer das unangenehme Gefühl, zu dumm zu sein, um zu begreifen, was dieser kluge Mensch da auf vielen hundert Seiten ausbreitet. Deutsche Historiker neigen zu solchen Büchern. Ganz anders das neueste Werk des französischen Arabisten Gilles Kepel. Er schafft es mit sprachlicher Eleganz und inhaltlicher Präzision, das wirre Knäuel des Nahen Ostens und Nordafrikas zu entflechten. Mit einem Mal versteht man die großen Zusammenhänge des muslimischen Raumes, wie diese Region in den vergangenen 40 Jahren zum zentralen Krisenherd der Welt wurde, welcher monströser Fehleinschätzung die USA unterlagen, als sie in Afghanistan die Gotteskrieger gegen die Sowjetunion unterstützen, damit den Islamismus heutiger Prägung mit herbeiführten. Wie sich nach dem missglückten Arabischen Frühling die radikalen Kräfte in beinahe allen betroffenen Ländern (bis auf Tunesien) breit machten. Alles in spürbarer Empathie, aber ohne jede Verklärung geschrieben. Ein Meisterwerk. Ein Augenöffner. Für mich das Buch des Jahres 2019. (Christoph Schwennicke)

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