Karl Dall ist tot

Joachim Steinhöfel

Vor ein paar Wochen fiel mir aus heiterem Himmel Karl Dall ein und ich habe gedacht “Ruf doch Karl mal wieder an, wir könnten uns doch mal auf einen Kaffee treffen“. Dann kam der Schlaganfall und jetzt ist er tot. Ich mochte ihn sehr. Irgendwann haben wir mal nach einem Boxkampf, ich glaube, es war nach der historischen Niederlage von Wladimir Klitschko gegen Corrie Sanders 2003 in Hannover, die Handynummern ausgetauscht. Etwa zehn Jahre davor hat er mich in seiner damaligen Sendung „Jux und Dallerei“ auf SAT 1 mit der Frage begrüsst: „Hast du als Kind gelitten unter Deinem Äußeren?“ (bei 13:26). In einem Kommentar auf YouTube schrieb jemand: „Wie schön politisch unkorrekt das noch war! So viele liebevolle Beleidigungen und keiner hat angefangen zu weinen oder sich angegriffen gefühlt (auch im Publikum) sondern alle wussten wie es gemeint ist und hatten Spaß.“ Er konnte dir eine überziehen und du hattest ihn trotzdem lieb. Er war böse ohne böse zu sein. Er war schlagfertig, weil er schlagfertig war und nicht, weil ihm jemand lahme Witze geschrieben hat, die er vom Teleprompter ablesen musste. Tatsächlich empfindet man, wenn man sich heute Karl Dalls Sendungen ansieht, ein Gefühl der Befreiung. Er hat es einfach gesagt. Und es war ihm egal. Er war genuin witzig, authentisch, einzigartig. Und sein Werk ist ein Rettungsanker in einer von Sprach- und Denkbarrieren determinierten Gegenwart, in der die Maske weit über die Pandemie hinaus Symbolkraft erlangt.

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